PeterFrederikSuhm_1898

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Breve. C. Niebuhr til Suhm.

wird es Denenselben bekannt seyn, dasz der erste Band des er­ wähnten Wercks zur Jubilate Messe noch nicht fertig gewesen ist. Des Hofrath Tychsens Abhandlung über den vermeynten Stuhl Petri in der Marcus Kirche zu Venedig hat die Würkung gehabt, dasz der Senat die an dem Stuhl befindliche Inschrift näher hat untersuchen lassen, und man hat sich genöthigt gefunden, dem Ketzer Recht zu geben. Hätte Hr. Tychsen seine Abhandlung dem Patriarchen und dem Senate zu Venedig persönlich wie jetzt schriftlich eingehändigt, so möchte ihm solches, wo nicht sein Leben, so doch wenigstens seine Freyheit gekostet haben. Ich wünsche gewisz nicht mehr als endlich auch den dritten Band meiner Reisebeschreibung liefern zu können, ich kann aber nicht anhaltend daran arbeiten und daher auch noch nicht be­ stimmen wenn er wird erscheinen können. Unterdesz habe ich schon verschiedenes in das Deutsche Museum einrücken lassen das für den 3ten Band bestimmt ist. Jetzt beschäftige ich mich mit einer Abhandlung über die Verfassung des Otmannischen Reichs, wovon der Anfang in dem Stücke für den Monat Julius erscheinen wird. Es wird mir sehr angenehm seyn wenn Ew. Hoch und Wohlgebohrner mein über die Türcken geführtes Raisonnement gegründet finden werden. W ir haben seit einiger Zeit zwey Beschreibungen türckischer Provinzen erhalten, derer Verfasser auch die Landessprache gelernt haben, nemlich Tott und Volney. Diese beschreiben die Morgen­ länder ganz anders als die vorigen Reisebeschreiber. Indesz ist es mir leid, dasz Tott den 4ten Theil seiner Memoiren hat drucken lassen, denn dazu hat er alle Materialien von seinen Landsläuten gesammlet. Er verstand gut türkisch und griechisch, aber nicht arabisch, er konnte also in Egypten und Syrien nicht selbst mit den Eingebohrnen sprechen. Jetzt bin ich sehr begierig auf das grosze Werck des Muradsja. Der Verfasser, ein Grieche, war viele Jahre schwedischer Dolmetscher bey der Pforte, und die Schweden haben bereits zum voraus viel Wesens von seinem Wercke ge­ macht. W ir werden dann auch ja wohl sehen, ob er ohne Vor- urtheil geschrieben hat, ob die Knechtschaft der Griechen ihn nicht noch in seinem Alter ancklebet. Ich empfehle mich Dero fernem Gewogenheit, und verbleibe mit vollkommenster Hochachtung

Ew. Hochwolilgebohren gehorsamster Diener Niebuhr.

Meldorf d. 3ten Juni 1788.

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